Im Bundestag debattieren die Politiker wieder über die Finanzkrise. Genauer: Es geht um Boni-Steuern und Gehaltsexzesse. Von "spätrömischer Dekadenz" in den Chefetagen ist da plötzlich die Rede. (Danke, Herr Westerwelle, für diesen Ausdruck - der wird uns jetzt noch eine Weile begleiten.) Dabei ist das Problem doch gar nicht, was die Herren (und wenigen Damen) verdienen. Zum Problem, zum Politikum, werden diese Gehälter erst dann, wenn diese Manager scheitern und mit Millionen-Abfindungen nach hause geschickt werden. Manche fallen eben nicht tiefer als in Gottes Hand, andere fallen in ein gemachtes Nest. Dann reagiert Deutschland mit Unverständnis - zurecht.
Das Problem ist viel mehr, wie diese hohen Gehälter verdient und ausgezahlt werden. Bis vor kurzem dominierte hier noch ein kurzfristiges Kalkül das Geschäftsgebaren. Im Erfolgsfall zahlt das Unternehmen einen Bonus. Was am Tag danach passierte, interessierte den prämierten Manager dann nicht mehr. Und das kann nicht sein, das fördert kurzfristige Entscheidungen, das führt zu glitzernden Augen und Gier. Unternehmerische Entscheidungen können nicht punktuell betrachtet werden, sie müssen im zeitlichen Kontext gesehen werden. Eine Entscheidung, die heute noch gut ist, kann sich morgen ins Gegenteil verkehren. Deswegen müssen sie mittel- und langfristig haftbar gemacht werden können für vorsätzliche oder fahrlässige (Fehl-)Entscheidungen. Klar, auch Manager sind fehlbare Menschen, allerdings werden sie für das Risiko, dass sie eingehen auch gut entlohnt. Bindet man Manager und Entscheidungsträger an das Unternehmen, in dem man Gehälter zum Teil in Firmenanteilen auszahlt oder in dem man Boni auf treuhändisch verwaltete Sperrkonten einzahlt, gibt man ihnen Anreize zu langfristig und nachhaltigem Wirtschaften.
Was passiert nun aber, wenn der Staat eingreift und eine Boni-Steuer einführt? Die fähigen Manager werden früher oder später abwandern, sich Unternehmen suchen, wo sie für ihre Arbeit "angemessener" entlohnt werden. Es führt zu einem Nachteil für deutsche Unternehmen auf dem Markt für nachwachsende Führungskräfte. Eine staatlich verordnete Verdienstobergrenze halte ich ebenfalls für gefährlich. Warum maßt sich der Staat an, besser einschätzen zu können, was ein angemessenes Gehalt für einen riskanten Job ist? Eine Verdienstgrenze nach oben hemmt notwendige wirtschaftliche Entwicklungen. Es besteht kein Anreiz mehr zu investieren, weil das persönliche Wachstum nach oben gedeckelt wird. Diese Macht, diese Befähigung sollte nicht vom Staat ausgehen - sie sollte von den Aktionären ausgehen, den Menschen, die am besten entscheiden können, was mit ihrem Unternehmen passieren soll.