Werbung mit aktuellem Bezug: Für Freiheit auf die Straße

Ich habe neulich schon von shareifyoulike berichtet. Da ich mich interessehalber dort angemeldet habe, bekam ich heute einen Hinweis auf neuen Content, den man bei Gefallen doch bitte unter seinen Followern verteilen solle. Ich teile das heute, weil es mir nicht gefällt - deswegen auch als Screenshot und nicht als aktiven Link.

Debitel_freiheit
Debitel hat ein Gewinnspiel aufgelegt. "Für Freiheit kann man auf die Straße gehen." Nächster Satz: "Oder hier mitmachen!" Geht es nur mir so oder wird hier auf unschöne Art und Weise die Protest-/Revolutionsbewegung in Arabien für kommerzielle Zwecke ausgenutzt? Debitel überschreitet hier eine Grenze. Mindestens die, des guten Geschmacks. Für eine Aktion, bei der man 33.700 EUR und einen Asterix gewinnen kann (oder: "Ein Jahr Freiheit") wird ein historischer Moment zitiert, für den viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Das ist unter aller Sau, weil furchtbar unsensibel. Die Anzeige geht noch nicht einmal kritisch mit differenziert auf das Geschehen ein sondern instrumentalisiert sie banal und einfallslos.

Was haltet ihr von der Aktion?

Sascha Lobo fordert Beleidigungskultur im Netz

In seinem Beitrag für SpON ruft Sascha Lobo (2011) die "Pöbler an die Maus!" und fordert gleichzeitig eine moderne Beleidigungskultur im Netz. Das ist äußerst lesenswert in seiner Gesamtheit (deshalb hier gleich noch mal der Link), mir ist jedoch bewusst, dass es in meiner Generation Menschen gibt, deren Aufmerksamkeitsspanne dank Google News bereits nach der Überschrift oder dem Teaser erschöpft ist. Deswegen hier meine zwei Lieblingssätze.

Eins:

Wieso nimmt der Befindlichkeitsbürger für sich in Anspruch, Politiker straffrei als Idioten bezeichnen zu können, aber strengt eine Beleidigungsklage an, wenn man ihn so nennt?

Zwei:

Es darf kein Recht darauf geben, im Internet unbeschimpft zu bleiben.

(Lobo, 2011)

Wer jetzt feststellt, dass ihm bislang die Ehre verweigert wurde, ihm Netz beschimpft zu werden, der beteilige sich doch einfach mal an einer nur minimal kontroversen Diskussion in einem Blog. Besonders einfach geht das, wenn man sich zu den Themen Atomkraft oder Sozialpolitik als Liberaler outet.

 

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Lobo, Sascha (2011). Pöbler an die Maus! In: Spiegel Online, 16. Februar 2011. URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,745848,00.html

Kennzeichnungspflicht für gekaufte Status-Updates?

Neulich habe ich ich auf daily digital dose über shareifyoulike.com gelesen. Eine Plattform, über die akzeptierte Nutzer von Unternehmen und Organisationen bereitgestellte Inhalte (bislang größtenteils scheinbar Videos) nach belieben über Facebook, Twitter oder bloggend weiterverbreiten können und dafür individuell entlohnt werden. Wie das funktioniert wird hier von onlinelupe.de erklärt.

Shareifyoulike.com ist also eine weitere Möglichkeit, die eigene Aktivität und Popularität im Internet zu Geld zu machen. Das ist schön und legitim - ich habe prinzipiell absolut nichts dagegen. Mir stellt sich dabei nur eine Frage: Was ist eine Empfehlung von Freunden dann noch wert?

Bezahlte, persuasive Kommunikation in Massenmedien ist Werbung. Ein privater Status-Post über meine neue Lieblings-CD ist keine Werbung, sondern eine Empfehlung. Ich poste oft genug Links zu "kommerziellen Informationen" (Werbespots, die mir gefallen haben; Unternehmens-Aktionen, die ich gelungen finde), werde dafür aber nicht bezahlt. Ist eine bezahlte Empfehlung noch eine persönliche, eine unabhängige Empfehlung oder schon Werbung?

Wenn Werbung in Deutschland als solche gekennzeichnet werden muss, müssen dann solche bezahlten Posts nicht auch gekennzeichnet werden?

Redaktionen von (Online-)Medien müssen normalerweise ausreichend auf bezahlte Kommunikation hinweisen, damit der Nutzer nicht in die Irre geführt wird. Werde ich von einem bezahlten Status-Post eines Freundes auf Facebook nun in die Irre geführt? Ich klicke ja nur darauf, wenn es mich interessiert. (Aber das wäre bei einem einfachen Werbe-Text-Link in einem Blog ja auch der Fall.)

Vielleicht übersehe ich einen wichtigen Aspekt, wahrscheinlich fehlt mir das rechtliche Wissen, um diese Fragen befriedigend beantworten zu können. Aber vielleicht hat das ja schon jemand an anderer Stelle gemacht? Jedenfalls weiß ich gerade nicht, was ich von gekauften fast-persönlichen Status-Updates in meinem Freundeskreis halten soll.

Überschriften wie Fäuste auf Augen

Heute fand sich in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung plötzlich ein Artikel über den tödlichen Absturz eines Gleitschirmfliegers unter der Rubrik "Bayern >> Rauchverbot". Das weckt die Neugierde des Lesers, bravo, weil sich nicht sofort - und eigentlich überhaupt nicht - erschließt, was genau dieser Unfall mit dem Volksbegehren zu tun hat. Das passiert, wenn man zwanghaft (oder automatisiert) in Schubladen denken lässt. Vielleicht.

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FAZ.net: Bildredakteur auf Abwegen

Gestern hat FAZ.net mit einer einfachen Text-Bild-Kombination den Vogel abgeschossen. Selten habe ich auf meiner allabendlichen Runde durch die Websites der Informationseliten eine derart kitschige und unpassende Bebilderung betrachten dürfen. Das erinnert mehr an eine Szene aus einem Hollywood-Film als an seriöse Berichterstattung über den Banken-"Rettungssschirm" und die derzeitige Krise des Euros (wie auch immer man es nun nennen mag). Doch soll sich einfach jeder selbst ein Urteil bilden.

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Radisson Blu: Hotels that love to say Yes! No?

Es sind die kleinen Dinge, die einem zeigen, wie ernst man eine (Werbe-)Botschaft meint. Die Häuser der Hotelkette Radisson Blu bezeichnen sich selbst als "Hotels that love to say Yes". In den Zimmern findet sich dann folgende Faltkarte:

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Vielleicht hätte man sich hier ein wenig länger der Formulierung dieser widersprüchlichen Botschaft widmen sollen.

Axel E. und das Internet

Man muss Twitter und seine kreativen Nutzer lieben. In 140 Zeichen zum Lachanfall - oder zumindest zum breiten Grinsen. Zwei Memes brachten mich in den letzten 24 Stunden zum Schmunzeln: #einbuchstabedanebentiere und Axel E. Fischer fordert... 

Wer ist dieser Axel E. Fischer, dass er es schafft, die Netzgemeinde zu derart kreativen Höchstleistungen anzuspornen? Fischer ist Vorsitzender der Enquete-Kommission Internet & Digitale Gesellschaft. In dieser Rolle soll er bis zum Jahr 2012 der Politik die Handlungsfelder zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Informationsgesellschaft aufzeigen. Und eben jener CDU-Abgeordnete macht immer wieder mit absurden spannenden Vorschlägen von sich reden. Zuletzt mit der Forderung, dass Internet-Nutzer sich zukünftig überall mit ihrem Klarnamen registrieren müssen. Ein Vermummungsverbot für das Internet müsse her. Es könne nicht sein, dass sich Bürger hinter selbst gewählten Namen versteckten und sich so der Verantwortung entzögen. Umsetzen könne man diese Forderung mit dem neu eingeführten Personalausweis.

Nun ist der neue, elektronische Personalausweis nicht unbedingt unumstritten. Er gilt als unsicher und sein Nutzen erschließt sich nicht unbedingt jedem. Doch hier geht es vielmehr darum, wie ein Vorsitzender einer Kommission lächerlich erstaunlich wenig Gefühl für die betreffende Bevölkerungsgruppe an den Tag legt. Derartige Äußerungen legen den Verdacht des bloßen Aktionismus nahe. Das Vermummungsverbot gilt in Deutschland bei Demonstrationen - also dann, wenn das Volk mit seiner Meinung nicht mehr hinterm Berg hält, sondern auf die Straße geht. Hat Axel E. Fischer Angst vor der Meinungsmacht des Internets? Der Zwang zum Klarnamen in Verbindung mit der Identifizierung durch den ePerso - ich bin gespannt, wie das denn realisierbar sein soll. Zukünftig trage ich neben meinem iPhone also auch ein Kartenlesegerät in meiner Hosentasche, nur für den Fall, dass ich einen Blogpost kommentieren möchte. Schließlich ist es von demokratieerhaltender Interesse, dass Herr Fischer weiß, dass Maximilian Weigl das neue Best Coast-Album nicht so sonderlich originell findet (es ist übrigens wirklich etwas eintönig). Der Staat würde sich mit der Einführung dieses Verbotes und der technischen Infrastruktur zum zentralen Zensur- Kontrollorgan des Internets aufschwingen. Linus Neumann hat das im netzpolitik-Blog schon dargestellt. Ein Kommentator auf Facebook fragt Fischer direkt, ob dieses Verbot auf für Kinder und Jugendliche im Chat gelte. Schließlich gäbe es genügend Ratgeber, die ausdrücklich darauf hinweisen, dass gerade dieses Altersgruppe nicht unter ihren echten Namen surfen/chatten sollten.

Man kann nur hoffen, dass die restlichen Mitglieder der Enquete-Kommission Herrn Fischer darauf hinweisen, wie unausgegoren und unnötig dieser Vorschlag (wieder einmal) war.

 

(Interessant wäre übrigens, ob dieses Vermummungsverbot dann auch für Politiker gilt. Müssen dann alle Politiker dann endlich ihre eigenen Facebook-Seiten und Twitter-Accounts bedienen? Oder dürfen/müssen sich Mitarbeiter weiterhin als ihre Chefs ausgeben?)

Bedenklich: Werbung die wirkt

Wow, ich habe dieses Blog wirklich lange vernachlässigt - vielleicht brauchte es jetzt einen Anlass wie diesen, endlich wieder etwas zu schreiben: Der Autovermieter Sixt ist Dank seiner Werbeagentur JvM in aller Munde. Eigentlich könnte der Beitrag hier enden, denn genau das erwartet man doch von seiner Werbeagentur - Aufmerksamkeit gegen Bezahlung. Die Aktion (hier der Beitrag der SZ), mit der JvM seinen Kunden ins Rampenlicht gerückt hat, schlägt allerdings hohe Wellen. Olaf Kohlbrück vom off-the-record-Blog spricht von einer Sauerei und wirft der Agentur vor, das Demonstrationsrecht missbraucht zu haben; die Rebellen rufen laut "Fuck You!". Besonnener sieht das ganze Hakan Tanriverdi in seinem Blog und versucht ein bisschen, den moralischen Zeigefinger aus der Diskussion zu nehmen.

Auf carta schreibt Christoph Kappes, bei der Aktion handle es sich um einen Übergriff der Werbung in das System der freien Meinungsbildung. Das ist meines Erachtens völlig richtig, ich sehe jedoch nicht den Unterschied zu Werbung in Tageszeitungen, Fernsehprogrammen oder im Internet. In diesen Medien des Systems der freien Meinungsbildung rechnet man jedoch quasi selbstverständlich mit Werbung. Auch Werbung ist Teil der Meinungsbildung - und jeder Betrachter ist dabei frei sich sein eigenes Urteil zu bilden. Sicherlich, als Demonstrant mag man sich ausgenutzt fühlen von der Dreistigkeit der Werbeleute, einen Anlass leicht zweckzuentfremden. Der Protest gegen den Castor-Transport verliert dadurch jedoch nicht seine eigentliche Bedeutung oder seine Wirkung (und auch dazu kann man sich seine eigene Meinung bilden).

Schätzungsweise werden wir auch gar nicht mehr allzu oft über derartige Aktionen bei Demonstrationen diskutieren müssen, denn jetzt hat es sie gegeben - ergo muss etwas neues, etwas ausgefalleneres, etwas überraschenderes, etwas "bedenklicheres" her. Eine noch größere Sauerei also. Damit alle wieder den Kopf schütteln können und ein paar Menschen schmunzelnd vor ihren Laptops sitzen. Man kann die Aktion als kreativ oder unkreativ abkanzeln, gewirkt hat sie allemal.

 

Nachhaltige Unternehmensführung

Im Bundestag debattieren die Politiker wieder über die Finanzkrise. Genauer: Es geht um Boni-Steuern und Gehaltsexzesse. Von "spätrömischer Dekadenz" in den Chefetagen ist da plötzlich die Rede. (Danke, Herr Westerwelle, für diesen Ausdruck - der wird uns jetzt noch eine Weile begleiten.) Dabei ist das Problem doch gar nicht, was die Herren (und wenigen Damen) verdienen. Zum Problem, zum Politikum, werden diese Gehälter erst dann, wenn diese Manager scheitern und mit Millionen-Abfindungen nach hause geschickt werden. Manche fallen eben nicht tiefer als in Gottes Hand, andere fallen in ein gemachtes Nest. Dann reagiert Deutschland mit Unverständnis - zurecht.

Das Problem ist viel mehr, wie diese hohen Gehälter verdient und ausgezahlt werden. Bis vor kurzem dominierte hier noch ein kurzfristiges Kalkül das Geschäftsgebaren. Im Erfolgsfall zahlt das Unternehmen einen Bonus. Was am Tag danach passierte, interessierte den prämierten Manager dann nicht mehr. Und das kann nicht sein, das fördert kurzfristige Entscheidungen, das führt zu glitzernden Augen und Gier. Unternehmerische Entscheidungen können nicht punktuell betrachtet werden, sie müssen im zeitlichen Kontext gesehen werden. Eine Entscheidung, die heute noch gut ist, kann sich morgen ins Gegenteil verkehren. Deswegen müssen sie mittel- und langfristig haftbar gemacht werden können für vorsätzliche oder fahrlässige (Fehl-)Entscheidungen. Klar, auch Manager sind fehlbare Menschen, allerdings werden sie für das Risiko, dass sie eingehen auch gut entlohnt. Bindet man Manager und Entscheidungsträger an das Unternehmen, in dem man Gehälter zum Teil in Firmenanteilen auszahlt oder in dem man Boni auf treuhändisch verwaltete Sperrkonten einzahlt, gibt man ihnen Anreize zu langfristig und nachhaltigem Wirtschaften.

Was passiert nun aber, wenn der Staat eingreift und eine Boni-Steuer einführt? Die fähigen Manager werden früher oder später abwandern, sich Unternehmen suchen, wo sie für ihre Arbeit "angemessener" entlohnt werden. Es führt zu einem Nachteil für deutsche Unternehmen auf dem Markt für nachwachsende Führungskräfte. Eine staatlich verordnete Verdienstobergrenze halte ich ebenfalls für gefährlich. Warum maßt sich der Staat an, besser einschätzen zu können, was ein angemessenes Gehalt für einen riskanten Job ist? Eine Verdienstgrenze nach oben hemmt notwendige wirtschaftliche Entwicklungen. Es besteht kein Anreiz mehr zu investieren, weil das persönliche Wachstum nach oben gedeckelt wird. Diese Macht, diese Befähigung sollte nicht vom Staat ausgehen - sie sollte von den Aktionären ausgehen, den Menschen, die am besten entscheiden können, was mit ihrem Unternehmen passieren soll.